Wir dürfen nicht zulassen, dass Angst, Überforderung und persönliche Hoffnungslosigkeit in Ausgrenzung, Hass und die Suche nach einfachen Schuldigen münden.
Wenn sich der gesellschaftliche Diskurs immer weiter nach rechts verschiebt, geraten gerade jene aus dem Blick, die Schutz, Unterstützung und eine hörbare Stimme brauchen: Kinder und Jugendliche, Alleinerziehende, Menschen mit Behinderungen, pflegebedürftige Menschen, Menschen in Armut oder ohne Wohnung, Geflüchtete und Zugewanderte, queere Menschen sowie Menschen, die Rassismus, Antisemitismus oder andere Formen von Diskriminierung erfahren.
Der Gedanke „Man erkennt den Wert einer Gesellschaft daran, wie sie mit den Schwächsten ihrer Glieder verfährt“ erinnert uns daran: Eine Gesellschaft beweist ihre Stärke nicht durch Härte, Abgrenzung oder die Durchsetzung der Interessen der Lautesten. Sie zeigt sich darin, ob sie Menschen schützt, die auf Unterstützung angewiesen sind, ob sie Teilhabe ermöglicht und ob sie niemanden zurücklässt.
Die Antwort auf Verletzlichkeit darf nicht Abschottung sein, sondern Verantwortung füreinander. Diese Verantwortung beginnt dort, wo wir zuhören, hinschauen, Unrecht widersprechen und Menschen nicht alleinlassen. Eine solidarische Gesellschaft erwartet Fürsorge nicht nur von einzelnen Fachkräften, Familien oder Engagierten; sie schafft gerechte und verlässliche Bedingungen, damit Menschen füreinander da sein können.
Unsere Hoffnung liegt nicht im Gegeneinander, sondern in einer Gemeinschaft, die Würde schützt, Vielfalt verteidigt, Mitgefühl ernst nimmt und Verantwortung teilt.
Gerade wenn Menschen sich machtlos oder allein fühlen, entsteht Hoffnung dort, wo sie Solidarität erfahren und Teil einer Gemeinschaft bleiben, die sie nicht zurücklässt.
Bente Rosebrock